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KulTours-Zeitgeschichte: Die Dichterin
Agnes Miegel (1879-1964)
Nonstop Nonsens - Martin Jasper: Das Schicksal ist eine
Wanderdüne
Zugegeben, das Wanderdünen-Epos aus der Feder von Martin
Jasper über die ostpreußische Dichterin Agnes Miegel (newsclick.de
u. Braunschweiger Zeitung, 10.2.2011) klingt zunächst
irgendwie plausibel. Ein bißchen zu plausibel sogar, denn den Großteil des
Artikels hat sich der Autor mit Halbwahrheiten oder schlichten Falschmeldungen so
hingebogen, daß sich ein einheitliches Bild ergibt. Dazu ergänzt er ein
besonders unvorteilhaftes Foto der Dichterin, selbstverständlich noch grafisch
Nazi-braun (oder blutrot?) unterlegt - und fertig ist die Horrorstory.
Alternative zum Jasperschen Foto: Die
junge Agnes Miegel im Jahre 1901
Beispiele für Jaspers Wanderdünen-Nonsens:
"Sie blieb auch nach 1945 unbelehrbar" - Das ist
schlicht falsch und wohl aus dem völlig einseitigen Artikel im Laienlexikon
Wikipedia übernommen.
Tatsächlich äußerte Agnes Miegel in einem Brief an ihre
spätere Biographin Anni Piorreck vom 31.8.1946 aus dem dänischen Flüchlingslager
Oksböl all ihre Hoffnung auf ein gewandeltes, moralisch handelndes und
bescheidenes neues Deutschland: "... zum ersten Mal auch faßte ich neuen
Lebensmut durch die Gewißheit, daß da für Euch Jüngere und Eure Kinder aus
aller Unrast und aller Not dieser Zeit ein neues besseres Deutschland aufwächst,
ein kleines armes, aber nicht verarmtes Deutschland, wo jeder Willige seine
Arbeit und sein Brot finden wird .... Ach möchte sich für alle ein Weg finden,
an dem Aufbau dieses bescheiden gewordenen Deutschlands mitzuarbeiten."
Sie war sich also gewiß, daß es ein "neues besseres
Deutschland" geben würde. Klingt so eine "Unbelehrbare", lieber
Herr Jasper?
"Die Uneinsichtigkeit der Dichterin nach dem
Zusammenbruch" gab es gar nicht, Herr Jasper, und deshalb "erschließt"
sie sich auch nicht aus irgendetwas.
"Sie publizierte in rechtsradikalen Blättern"
behauptet Jasper in Bezug auf die Nachkriegszeit. Die auch international
bedeutendste Agnes-Miegel-Expertin, Frau Dr. phil. Marianne Kopp aus Stadtbergen
hat diese Behauptung in einer Forschungsarbeit des Jahres 2010 gerade vollständig
widerlegt.
Die Zeilen "Gott hat sein Antlitz abgewandt/ von
unserem Vaterland" aus dem Gedicht "1945" beziehen sich auf ihre
Trauer um die Menschenverluste und die Zerstörungen in Deutschland.
Was daran "ungeheuerlich" sein soll, ist wohl nur
für Herrn Jasper erkennbar.
Auch die anderen Zitate sind in ähnlicher Weise wahllos
zusammengestückelt und aus dem Zusammenhang gerissen. Gerade der Zusammenhang
ist aber immens wichtig, Herr Jasper.
"Eine Sanddüne bietet nirgendwo Halt, ihr gegenüber
gibt es letztlich nur den heldenhaften Untergang" - das sind Ihre Worte,
Herr Jasper. Sie sind mit Ihrem Artikel selbst der Sanddüne erlegen. Der
Untergang war allerdings alles andere als heldenhaft.
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Einzelnachweise,
Quellenverzeichnis
Vollständige
Agnes-Miegel-Dokumentation
Detlef
Suhr, Agnes-Miegel-Straße 42, 26188 Edewecht |