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KulTours-Zeitgeschichte: Paul von Hindenburg (1847-1934) Münster: Hindenburgplatz bleibt! Bürgerbegehren ist sehr erfolgreich angelaufen, Münsteraner Zeitungen polemisieren gegen die Initiatoren Aktuelle Umfrage: 84 % für Hindenburgplatz Zahlreiche Historiker lehnen mögliche Umbenennung ab 27.4.2012: Sehr erfolgreich gestaltet sich der Beginn der Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren Pro Hindenburgplatz in Münster. Schon lange bevor die ersten Stände mit Listen in der Stadt präsent waren, gab es einen Rücklauf zahlreicher Listen mit Hunderten von Unterschriften an die Initiatoren des Bürgerbegehrens. Viele Bürger hatten die Möglichkeit genutzt, sich die Listen aus dem Internet herunterzuladen (siehe unten) und in Eigenregie Unterschriften zu sammeln. Inzwischen gab es auch etliche Stände zur Unterschriftensammlung im Stadtgebiet, die ebenfalls sehr gut frequentiert wurden. Die Initiatoren sind sehr zuversichtlich, daß die erforderliche Zahl von Stimmen erreicht werden kann. Hier kann die Unterschriftenliste für das Bürgerbegehren ausgedruckt werden (bitte anklicken): Unterschriftenliste Bürgerbegehren Merkblatt zur Verwendung der Unterschriftenliste 22.3.2012: Die Initiative "Bürger gegen die Umbenennung des Hindenburgplatzes" stellt ihr Bürgerbegehren vor. Damit soll endlich der Auffassung der klaren Mehrheit der Münsteraner Bevölkerung und zahlreicher Historiker Geltung verschafft werden. Der Rat der Stadt Münster hatte sich zuvor gegen die Stimmen vieler CDU-Mitglieder für eine Umbenennung ausgesprochen. Münsteraner Zeitungen versuchen unterdessen durch eine beispiellose Kampagne, die Befürworter des Namens "Hindenburgplatz" in die "rechte Ecke" zu rücken und ein erfolgreiches Bürgerbegehren zu verhindern. Die Bürger werden geradezu davor gewarnt, das Bürgerbegehren zu unterstützen: "Wer für eine Rück-Umbenennung kämpft, formuliert damit zwangsläufig ein sehr zweifelhaftes Bekenntnis" (Klaus Baumeister, Westfälische Nachrichten, 22.3.2012). Mit dem Auftrag der Presse, sich neutral zu verhalten und damit den Erfordernissen einer unparteiischen Meinungsbildung in der Demokratie, hat eine solche Pressearbeit nichts mehr zu tun. Siehe zu diesem Thema auch: 21.3.2012: Der Rat der Stadt Münster beschließt die Umbenennung des Hindenburgplatzes. Damit stellt er sich - entgegen aller demokratischen Regeln - gegen den in sämtlichen neutralen Umfragen bekundeten Willen der Bürger, die sich stets für die Beibehaltung des Namens ausgesprochen hatten. Nun folgt also das Bürgerbegehren, um den Umbenennungsbeschluss wieder rückgängig zu machen und dem Willen der Bürger Geltung zu verschaffen. Die große Mehrheit der CDU-Fraktion im Rat stellte sich übrigens auf die Seite der Bürger und stimmte für die Beibehaltung des Namens "Hindenburgplatz". 13.3.2012:
Von der Initiative Bürger gegen die Umbenennung des Hindenburgplatzes wird ein
Bürgerbegehren im Falle eines Umbenennungsbeschlusses durch den Rat
angekündigt. Einem Bürgerbegehren werden sehr gute Chancen
eingeräumt, da sich in allen neutralen Umfragen klare Mehrheiten für eine
Beibehaltung des Namens „Hindenburgplatz“ ergeben haben. 13.3.2012: Renommierte Professoren stellen sich in einem Brief an OB Markus Lewe gegen die Umbenennung des Hindenburgplatzes. Die Westfälischen Nachrichten berichten wie folgt: "Gleich ein Dutzend Professoren wenden sich dort gegen die beabsichtigte Umbenennung des Hindenburgplatzes. Dazu zählen Dr. Hans Joachim Behr, Dr. Paul Leidinger, Prof. Dr. Michael Krüger sowie Prof. Wolfgang Jacobmeyer, Prof. em. Dr. Karl Jeismann und Prof. Dr. Hans Jürgen Teuteberg. 12.3.2012: Bei einer Probeabstimmung votiert die große Mehrheit der CDU-Ratsfraktion gegen eine Umbenennung des Hindenburgplatzes in Münster. Damit folgen die meisten Fraktionsmitglieder dem klaren Votum des CDU-Kreisvorstandes. 7.3.2012: Der CDU-Kreisvorstand Münster empfiehlt der CDU-Ratsfraktion, die Umbenennung des Hindenburgplatzes abzulehnen. 5.3.2012: Eine neue Umfrage widerlegt das offiziell verkündete Ergebnis der städtischen Bürgerumfrage zu einer möglichen Umbenennung des Hindenburgplatzes in Münster eindrucksvoll: Die Internetplattform "Münster 4 Life" hat parallel zur Stadt eine eigene Umfrage durchgeführt und die Ergebnisse auf "Facebook" veröffentlicht. Danach haben sich 84 % der Befragten für die Beibehaltung des Namens ausgesprochen. 1.3.2012: Mit der offiziellen Auswertung der Bürgerumfrage zu Paul von Hindenburg setzt sich die Manipulationskampagne von Oberbürgermeister Markus Lewe nahtlos fort: In den Auswertungsunterlagen ist nämlich nachzulesen, daß sich 48,3 % der Befragten gegen den Namen Hindenburgplatz ausgesprochen hätten. Bei insgesamt 5.126 tatsächlich Befragten würde das eine Zahl von 2.476 Umbenennungsbefürwortern bedeuten. Tatsächlich haben sich - wie das Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung auf Nachfrage mitteilte - nur 936 Münsteraner für die Umbenennung des Hindenburgplatzes ausgesprochen. Das entspricht 18,3 % aller Befragten und damit weitgehend den Ergebnissen anderer repräsentativer Umfragen der Universität Münster. Vermutlich aus Protest haben etwa zwei Drittel der Befragten den - laut Emnid-Meinungsforschungsinstitut - "unfair" formulierten Fragebogen gar nicht erst ausgefüllt. Interessant ist, daß sowohl die Westfälischen Nachrichten als auch die Münstersche Zeitung auf die Zahlentrickserei der Stadt hereingefallen sind. 26.1.2012: Bei einer Diskussionsveranstaltung der Straßennamen-Debatte in Münster-Ost zeigte sich im Publikum sehr viel Unmut über die bisher völlig einseitige Darstellung jener Personen, nach denen die Straßen benannt sind, welche von den Historikern Thamer und Kenkmann für eine Umbenennung vorgeschlagen wurden. Statt mit dem Publikum zu diskutieren, zogen es die Historiker vor, dieses zu beschimpfen und abzuqualifizieren. So bezeichnete Kenkmann sehr martialisch Publikum und Veranstaltungsort als "vermintes, umkämpftes Terrain" und bezichtigte den Mitbegründer der Initiative Bürger gegen Umbenennungswillkür Herbert Kober gar der "Verleumdung" - ein ungeheuerlicher Vorgang. Kober hatte die Einseitigkeit der Veranstaltung bemängelt. Auf dem Podium waren nämlich ausschließlich Wissenschaftler zu finden, die sich für die diversen Umbenennungen aussprechen und keine Experten, die solchen Umbenennungen zumindest kritisch gegenüberstehen. In einem Flugblatt, das vor der Veranstaltung an alle Besucher verteilt wurde, erläuterte die Initiative ihre Forderung nach Demokratisierung des Verfahrens - hier zum download. Die Bezirksvertretung Münster-Ost hatte schon am 19.1.2012 per Beschluß die Öffnung der Informationsveranstaltungen für Fachleute mit anderer Auffassung gefordert (s. u.). Januar 2012: In Münster findet zur Zeit eine sehr spezielle Debatte statt: Der zentrale Hindenburgplatz soll umbenannt werden, weil eine Münsteraner Kommission, die von zwei Historikern beraten wurde, eine solche Umbenennung empfiehlt. Hindenburg wird darin eine zu große Nähe zum Nationalsozialismus vorgeworfen. Es gibt jedoch viele gegenteilige Stimmen - wie die des berühmten, 2006 verstorbenen Hitler-Biographen Joachim C. Fest. Die meisten Veröffentlichungen, welche sich mit Hindenburg beschäftigen, sagen ganz klar, daß Hindenburg die demokratische Weimarer Republik gestützt habe. Er wurde gar als "Hüter der Verfassung" bezeichnet und hoch geschätzt. 1925 und 1932 wählten ihn auch die Sozialdemokraten zum Reichspräsidenten. 1932 trauten sie Hindenburg am ehesten zu, die immer mehr erstarkenden radikalen Kräfte der Republik unter Kontrolle zu halten. Nach den letzten freien Reichstagswahlen im November 1932 war die NSDAP erneut - trotz Stimmenverlusten - mit großem Abstand die stärkste Fraktion im Reichstag geworden. Die Mehrheit lag bei den klar antiparlamentarischen Parteien KPD, NSDAP und DNVP. Der renommierte "Illustrierte Ploetz" stellt die politische Situation Ende Januar 1933, zum Ende der kurzen Regierungsphase Kurt von Schleichers, kurz und knapp so dar: 28. Januar 1933: Schleicher tritt als Reichskanzler zurück, nachdem Hindenburg seine Diktatur abgelehnt hat. Danach bleibt nur die Möglichkeit einer Regierungsbildung durch Hitler. Zu berücksichtigen ist immer auch, daß Hindenburg die schwierige politische Situation jener Tage als ein Mensch im Alter von 85 (!) Jahren bewältigen mußte - mithin ein Jahr vor seinem Tode. Die meisten Städte und Gemeinden entscheiden sich unter Abwägung der Fakten klar für die Erhaltung von Hindenburg-Straßen und -Plätzen. In einem umfangreichen Radiobeitrag für "Antenne Münster" (Bürgerfunk Ost-West-Radio) vom 7.8.2011 machte der ehemalige Leitende Mitarbeiter der Universitätsverwaltung Münster Herbert Kober die ganze Absurdität der Umbenennungsbestrebungen deutlich - hier als PDF-Dokument zum Ausdrucken. Auf der Kreismitgliederversammlung der CDU vom 4.10. 2011 hatte die Junge Union Münster bereits einen Antrag für die Erhaltung des Hindenburgplatzes gestellt. Lesen Sie hier: Mitglieder der CDU-Ratsfraktion in Münster machten inzwischen klar, daß sie an die weitere Arbeit der "Kommission Straßennamen" hohe Anforderungen stellen. Ratsherr Walter von Göwels äußerte sich am 12.12.2011 in der Bürgerhalle des Rathauses wie folgt: "Für die weitere Diskussion wünsche ich mir eine ergebnisoffene Bürgerbeteiligung. Erst eine gründliche und die gesamte Biographie einer Person umfassende Aufarbeitung, insbesondere bei Paul von Hindenburg, macht ein abschließendes Urteil möglich ..." Von Göwels und sein Kollege Meik Bolte erwarten von den Verantwortlichen, daß die zukünftige Ausstellung "Ehre, wem Ehre gebührt?!" in ihrer Konzeption ein ausgewogenes Urteil erlauben wird. In der Sitzung der CDU-Fraktion vom 17.1.2012 wurde zwar - laut Presseinformation - die Bürgerbeteiligung bei der Diskussion um strittige Straßennamen (z. B. Hindenburgplatz) grundsätzlich begrüßt. Allerdings gab es deutliche Kritik an der Art und Weise, wie Oberbürgermeister Markus Lewe und die beiden Historiker Hans Ulrich Thamer und Alfons Kenkmann die Öffentlichkeit informieren. Am 19.1.2012 beschloß die Bezirksvertretung Münster-Ost, daß bei den Informationsveranstaltungen zu den strittigen Staßennamen auch solche Wissenschaftler auf dem Podium vertreten sein sollen, die den Umbenennungen kritisch gegenüberstehen. Außerdem wurde der Oberbürgermeister aufgefordert zu veranlassen, daß die Informationen zu Straßennamen im Internet sowie die Ausstellung im Rathaus um Beiträge und Quellen erweitert wird, welche die Sicht der Gegner solcher Umbenennungen widerspiegeln. Lesen Sie die entsprechende Internetseite der CDU. Es wurde kritisiert, daß bei den Informationsveranstaltungen zum Thema Straßennamen am 26.1., 9.2. und 29.2.2012 nur die Befürworter einer Umbenennung der Straßen "diskutieren" sollen. Die zahlreichen Wissenschaftler, welche solche Umbenennungen ablehnen, sollen hingegen gar nicht vertreten sein. Ratsherr Walter von Göwels, Sprecher einer fraktionsinternen Arbeitsgruppe zum Thema Straßenumbenennung, berichtete wie folgt: "Wir würden uns wünschen, daß die Veranstaltungen in den Bezirken Ost und Mitte nicht nur der Information, sondern auch der Diskussion dienen würden. Daher würden wir auch gerne die Podien um Personen ergänzen, die aus fachwissenschaftlicher Sicht einer Umbenennung zumindest kritisch gegenüberstehen." Damit spielte von Göwels offensichtlich auch auf die bisher sehr einseitigen Informationen der Stadt ein, die ausschließlich auf Autoren zurückgreifen, welche solche Umbenennungen befürworten. Damit haben die Bürger keine Möglichkeit, sich objektiv zu informieren. Von Göwels regte die Ergänzung der städtischen Homepage um weitere Quellen und Fakten an. Diese Kritik umfaßt auch die Ausstellung "Ehre, wem Ehre gebührt?!", welche seit dem 26.1. im Rathaus zu Münster stattfindet. "Innerhalb der Ausstellung Ehre, wem Ehre gebührt sollte" - so von Göwels - "auch sichergestellt werden, daß eine die gesamte Lebensleistung berücksichtigende Darstellung der in Frage stehenden Personen gewährleistet ist." Eine Kritik zu dieser Ausstellung finden Sie hier: Die CDU-Fraktion ist weiterhin der Meinung, daß die geplante Bürgerumfrage zu Paul von Hindenburg die nötige Neutralität vermissen läßt. "Beim städtischen Fragebogen hätten wir uns eine offenere Fragestellung gewünscht." hieß es. Die Presse berichtete Ende Dezember über die scharfe Kritik an dem vorgesehenen Fragebogen. Darin soll es heißen: "Nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen ist der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg als Stütze des NS-Regimes anzusehen. Besteht heute noch ein Anlaß, Hindenburg durch die Namensgebung für den größten Platz Münsters zu ehren?" Abgesehen davon, daß viele Historiker die Bezeichnung Hindenburgs als "Stütze des NS-Regimes" schlicht als Unsinn betrachten, sehen Kritiker in dieser nicht zulässigen Suggestivfrage ganz klar den Versuch einer gezielten Beeinflussung des Ergebnisses, um eine Mehrheit für die Umbenennung zu erlangen. Mit einem solchermaßen tendenziösen Verfahren hätte das Ergebnis der Bürgerumfrage aber keinerlei Aussagekraft. Wissenschaftliches Arbeiten sieht anders aus: Historiker aus Münster berufen sich in ihrem Urteil auf eine einzige Hindenburg-Biographie Die jetzt auch im Internet veröffentlichten "Stammblätter zu Straßennamen" welche als Grundlage für die Statements der Münsteraner Historiker Prof. Hans-Ulrich Thamer und Prof. Alfons Kenkmann dienten, greifen bei ihrer "Historischen Einschätzung" nur auf eine einzige Quelle zurück. Dabei handelt es sich um die 2007 veröffentlichte Hindenburg-Biographie von Wolfram Pyta. In der Rezension auf Welt-online vom 20.1.2008 heißt es: "Und was die eingangs erwähnten 'neuen Fragestellungen' angeht, so haben sie den Verfasser insgesamt dazu animiert, ein Bild über Paul von Hindenburg zu zeichnen, das alles in allem doch eher als fragwürdig gelten muß. ... Was der so enttarnte Hindenburg aber mit der historischen Erscheinung tatsächlich zu tun hat, wird möglicherweise erst dann erkennbar werden, wenn der Nachlaß des Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten einmal zur Verfügung stehen wird." Wolfram Pytas Buch kann also wohl kaum als Maßstab für die Bewertung Hindenburgs gelten. Zahlreiche weitere Autoren, die Hindenburg oftmals sehr viel positiver bewerten, werden bei Kenkmann und Thamer überhaupt nicht berücksichtigt - darunter ein so prominenter Historiker wie Werner Maser. Diese Vorgehensweise ist ein Skandal und wohl nur durch eine Vorgabe zu erklären, daß am Ende unbedingt eine Empfehlung "pro Umbenennung" stehen sollte. Vortrag von Hans-Ulrich Thamer vom 12.
Juli 2011 im LWL-Landeshaus Münster:
"Vom Umgang mit Straßennamen. Der Fall Hindenburg" - Längst
widerlegte Kollektivschuld-Fantasien und Verschwörungstheorien Wenig überzeugend wirkt der o. g. Vortrag Hans-Ulrich Thamers, der zunächst alte, längst überwunden geglaubte Kollektivschuld-Fantasien wieder aufleben läßt. Da heißt es z. B.: .... zur Etablierung einer modernen Diktatur gehörte eine massenhafte Mitwirkung und Unterstützung (...), ohne daß ein viel wichtigerer Faktor für deren Etablierung, nämlich ein perfider und perfekter Unterdrückungs- und Repressionsapparat erwähnt wird, der den Menschen zumeist gar keine andere Wahl ließ, als zum "Mitläufer" zu werden. Schließlich lautete die brutale Doktrin der Nazis: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns." Für Thamer ist hingegen nahezu die gesamte damalige Bevölkerung schuldig an den schrecklichen Geschehnissen: Können wir angesichts eines mittlerweile sehr viel sensibleren Umgangs mit der Diktaturgeschichte und vor allem im Lichte unseres heutigen historischen Wissens um die massenhafte Selbstmobilisierung und Verstrickung auch von Menschen, die nominell (zunächst) keine Mitglieder der NSDAP waren und keine zentralen Herrschaftsfunktionen ausübten, noch jene verharmlosende Grenzziehung der Nachkriegszeit aufrecht erhalten, die zwischen den hundertprozentigen Nazis und NS-Tätern einerseits und einer scheinbar unbelasteteten national-konservativen Tradition andererseits unterschied? Selbst diejenigen welche nicht Mitglied der NSDAP geworden waren und damit erhebliche Nachteile und Risiken in Kauf nahmen, werden hier - wenig verklausuliert - auf eine Stufe gestellt mit den Nazi-Verantwortlichen und NS-Tätern. Schuldig waren quasi alle, Differenzierung und Grenzziehung schadet - laut Thamer - nur. War nicht der Begriff „Tätervolk“ vor wenigen Jahren erst zum „Unwort des Jahres“ gekürt worden? An Hans-Ulrich Thamer jedenfalls scheint diese Nachricht spurlos vorbeigegangen zu sein. Nebulös und äußerst fragwürdig bleibt auch die Neubewertung Hindenburgs durch Thamer. Geradezu abenteuerlich ist seine Behauptung, daß die Eingriffe Hindenburgs als Reichspräsident in das politische Geschehen, das zur Diktatur führte, sehr bewußte Akte eines zielgerichteten politischen Handelns gewesen seien. Weiter heißt es bei Thamer: Hindenburg war nicht das alterssenile Opfer fremder Einflüsterer, sondern er hatte ein politisches Ziel, das er schließlich im Bündnis mit Hitler zu verwirklichen hoffte. Thamer vergißt hier völlig, daß Hindenburg sich immer wieder für die Erhaltung der Weimarer Verfassung eingesetzt hat (s. o.) und deshalb auch von den Sozialdemokraten zweimal (zuletzt noch 1932!) zum Reichspräsidenten gewählt wurde. 1932 kandidierte Hindenburg übrigens gegen Hitler für die Reichspräsidentschaft! Die äußerst abfälligen Aussagen Hindenburgs über Hitler, den er gerne als den "böhmischen Gefreiten" bezeichnete, welchen er allenfalls "zum Postminister" machen wolle, lassen die Thamersche Verschwörungstheorie von der strategischen Partnerschaft mit Hitler zur Zerstörung der Demokratie nur noch lächerlich erscheinen. Unrühmliche Bekanntheit erlangte Thamer bereits im Jahr 2000, als er die wegen katastrophaler Fehler und irreführender Darstellungen im Jahr zuvor komplett zurückgezogene "Wehrmachtsausstellung" zusammen mit einigen anderen Wissenschaftlern rechtfertigte. So hieß es - trotz Kritik an einigen Details der Ausstellung - in der "Bewertung der Kernaussagen der Ausstellung": Zusammenfassend bleibt festzuhalten, daß die Kernaussagen der Ausstellung, an denen sich die emotionale und politische Kritik und Polemik entzündet hat, in ihrer Substanz dem internationalen Forschungsstand entsprechen. Durch diese Rechtfertigung ermöglichten Thamer und seine Kollegen dem Initiator Jan Philipp Reemtsma eine (wenn auch modifizierte) Neuauflage der fragwürdigen Ausstellung. Diese fand jedoch nur sehr geringes Publikumsinteresse. Der wohl größte Ausstellungs-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte war den Menschen noch in frischer Erinnerung und die Glaubwürdigkeit der Ausstellungsmacher war nachhaltig beschädigt. Bevölkerung
und Stadtverwaltungen fast überall klar gegen Umbenennung Die sehr zweifelhafte Empfehlung der Münsteraner Kommission findet wenig Rückhalt in der Bevölkerung. Bei verschiedenen Umfragen in Münster sprach sich jeweils die überwältigende Mehrheit der Bürger gegen eine Umbenennung des Hindenburgplatzes aus. Selbst bei "Facebook" gibt es inzwischen eine stark frequentierte Initiative unter dem Titel "Pro Hindenburgplatz Münster - Contra Bilderstürmerei". Interessant
ist in diesem Zusammenhang auch ein Artikel unter dem Titel "Nicht alle Städte
streiten über Hindenburg" aus der Online-Ausgabe der Westfälischen
Nachrichten vom 2.7.2011. Die Zeitung hatte recherchiert, wie andere
Städte und Gemeinden in der jüngeren Vergangenheit mit dem Straßennamen
Hindenburg umgegangen sind. Auch hier zeigte sich, daß die Argumente gegen
Hindenburg wenig plausibel sind. In Mainz, Andernach, Schleswig, Bonn, Ulm, Kiel, Hamburg, auf Sylt und in Buchholz wurden die Umbenennungen klar abgelehnt - bzw. waren gar nicht erst ein Thema. Nur in Solingen wurde - nach heftigen Auseinandersetzungen - der Hindenburg-Platz in "Marktplatz" umbenannt. Ebenso heftige und langwierige Auseinandersetzungen gab es in Trier, wo das Hindenburg-Gymnasium am Ende in "Humboldt-Gymnasium" umbenannt wurde. Fazit: Die von der Münsteraner Kommission vorgebrachte Umbenennungsempfehlung ist unter Historikern umstritten und findet wenig Rückhalt in der Bevölkerung. Die meisten anderen Städte und Gemeinden stehen der Umbenennung von Hindenburg-Plätzen oder -Straßen ablehnend gegenüber. Es bleibt zu hoffen, daß die von der Stadt Münster angekündigte "Informationskampagne" zu Hindenburg und anderen Namensgebern von Straßen nicht nur die Sichtweise der Kommission präsentiert, sondern in gleichem Maße auch jene der zahlreichen Wissenschaftler, welche solche Umbenennungen für nicht gerechtfertigt halten. Ob eine solche Informationskampagne überhaupt irgendeinen Sinn macht - angesichts der fast einhelligen Ablehnung einer Umbenennung des Hindenburgplatzes durch die Bevölkerung - ist allerdings die eigentliche Frage. Eine solche Kampagne ist teuer - genau wie die erfolgte Einbindung von Wissenschaftlern. Die Bürger müssen also für Aktionen bezahlen, die sie selbst klar ablehnen - innerhalb einer Demokratie ein unhaltbarer Zustand. Bürgerbegehren kann mögliche Ratsentscheidung zur Umbenennung des Hindenburgplatzes wieder rückgängig machen Sollte der Stadtrat von Münster trotzdem eine Umbenennung des Hindenburgplatzes beschließen, kann dieses durch ein Bürgerbegehren wieder rückgängig gemacht werden. Informationen zum Ausdrucken als PDF-Datei
Auch die nach der ostpreußischen Dichterin Agnes Miegel benannten Straßen sind immer wieder Gegenstand von Umbenennungsversuchen - die allerdings seit Februar 2011 überall gescheitert sind (bitte anklicken):
Agnes Miegel - klare Distanzierung vom Nationalsozialismus nach dem 2. Weltkrieg Wie Antifa und Autonome gegen Agnes Miegel agitieren Agnes Miegel: Stellungnahmen Pro und Kontra Stellungnahme und Gutachten der Agnes-Miegel-Gesellschaft (Januar 2011) Agnes
Miegel: Bedeutendste Dichterin Ostpreußens, wichtigste Balladendichterin ihrer
Zeit Bad Nenndorf: Stadt der Literatur - dank Agnes Miegel Agnes Miegel-Straßen: Umbenennung wissenschaftlich nicht mehr zu rechtfertigen Vom Unsinn politisch motivierter Straßenumbenennungen Wissenschaftler gegen Umbenennung von Agnes-Miegel-Straßen Renommierte Wissenschaftler: Agnes Miegel war keine Nazi-Dichterin Agnes Miegel: Straßenumbenennungen 2011 fast überall gescheitert Aktuelle Forschung: Agnes Miegel war keine Nazi-Dichterin Braunschweig-Stöckheim: Keine Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße Braunschweig-Stöckheim: Auch Kulturdezernentin für Agnes-Miegel-Straße Nonstop Nonsens in der Braunschweiger Zeitung: Martin Jasper: Das Schicksal ist eine Wanderdüne Bergisch Gladbach-Refrath: Anwohner einstimmig gegen Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße Bergisch Gladbach-Refrath: Es bleibt bei Agnes-Miegel-Straße Söhlde: Es bleibt bei Agnes-Miegel-Straße Edewecht-Friedrichsfehn: Anwohner klar gegen eine Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße Celle-Scheuen: Anwohner einstimmig gegen Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße Celle: Neues Straßennamen-Gutachten entlastet Agnes Miegel Celle: Straßennamen-Gutachten - kein Vorbild für andere Städte Celle: Straßennamen im Rat - keine einheitliche Haltung Celle: Oberbürgermeister Mende mit Straßenumbenennungen ziemlich isoliert Celle: Straßennamen - "Mutter der Atombombe" statt Agnes Miegel? Celle: Straßennamen - OB Mende informiert sich per Laienlexikon Hildesheim-Ochtersum: Breite Mehrheit für Erhalt der Agnes-Miegel-Straße Warendorf: Bevölkerung gegen Umbenennung des Agnes-Miegel-Weges Bohmte, Bad Essen, Ostercappeln: Agnes-Miegel-Straßen bleiben Goslar-Hahndorf: Agnes-Miegel-Straße bleibt Sankt Augustin: Breite Mehrheit für Erhalt der Agnes-Miegel-Straße Gronau: Breite Mehrheit für Erhalt der Agnes-Miegel-Straße Stuhr-Brinkum: Breite Mehrheit für Agnes-Miegel-Straße Schwerte: Breite Mehrheit für Erhalt der Agnes-Miegel-Straße Lünen: Breite Mehrheit für Erhalt der Agnes-Miegel-Straße Münster: Breite Mehrheit für Erhalt der Agnes-Miegel-Straße Münster: Ardey-Verlag und LWL-Literaturkommission im Zwielicht LWL:
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