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KulTours-Zeitgeschichte: Paul von
Hindenburg (1847-1934)
Zweifelhafte Ausstellung "Ehre, wem Ehre gebührt?!" in Münster
Münsteraner Zeitungen berichteten schon im Dezember 2011
über Manipulationsvorwürfe an die Adresse von Oberbürgermeister Markus Lewe
im Zusammenhang mit der Bürgerumfrage zu Paul von Hindenburg. Eine neuen
Gipfelpunkt der Meinungsmanipulation bildet seit dem 26. Januar 2012 die
Ausstellung zu angeblich "NS-belasteten" Straßennamen im Bürgersaal
des Rathauses unter dem Titel "Ehre, wem Ehre gebührt?!". Die Westfälischen Nachrichten bezeichnen die Ausstellung in einem
Artikel vom 26.1.2012 als "einseitig". Weiterhin heißt es, "Es
geht ums Contra. Ob es ein Pro gibt, wird nicht erwähnt." Der Historiker
Prof. Dr. Wolfgang Jacobmeyer sieht die Ausstellung teilweise "an der
Grenze zur Agitation" (Westfälische
Nachrichten, 25.2.2012).
Tatsächlich ist die Ausstellung derartig tendenziös und
primitiv, daß man darüber lachen könnte - wenn das Thema nicht so ernst
wäre. Hier werden bedeutende Dichter und Komponisten, wie die wichtigste
deutsche Balladendichterin des 20. Jahrhunderts Agnes Miegel oder der berühmte
Komponist Hans Pfitzner (dessen Werke selbstverständlich auch in Münster
aufgeführt werden) als "Pappkameraden" (Westfälische Nachrichten) an
den Pranger gestellt und verächtlich gemacht. Die Texte, welche man den
Pappkameraden aufgedruckt hat, umfassen kurze, aus dem Zusammenhang gerissene
Zitate dieser Personen ohne exakte Quellenangaben, die irgendwie ihre
Verwicklung in das verbrecherische System der NS-Diktatur belegen sollen. In
welcher Situation, Lage und womöglich unter welchem Druck diese Äußerungen
getätigt wurden, bleibt zumeist völlig im Dunkeln. Daß man sich in jener Zeit
gegenüber einem NS-Funktionär nicht als Gegner des Systems oder auch nur als
Zweifler offenbaren durfte, bleibt unberücksichtigt. Daß
jede Äußerung in der NS-Zeit, die mangelnde Linientreue verriet, zur
sofortigen Verhaftung führen konnte, wird nicht erwähnt. Entlastendes
Material, welches diese völlig einseitige Darstellung zu einem objektiven Bild
erweitern könnte, ist an keiner einzigen Stelle zu finden. Das ist ein schier
unglaublich unwissenschaftlicher Umgang mit der historischen Wahrheit innerhalb
unserer Demokratie. Angesichts des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte
sollten sich die Ausstellungsmacher auch
fragen, ob es heute noch legitim ist, Menschen auf eine derartig primitive Weise
verächtlich zu machen.
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Einzelnachweise,
Quellenverzeichnis
Vollständige
Agnes-Miegel-Dokumentation
Detlef
Suhr, Agnes-Miegel-Straße 42, 26188 Edewecht |